Alle für die Flora – Solidarität oder Aktionismus?

Die Demonstrationen in Hamburg als Abbild linker Protestkultur

Dienstag, 18.02.2014 | 19:00 | Hörsaal 7 | Carl-Zeiss-Str. 3.

Es geht gruselig zu in Hamburg. Und damit meinen wir nicht, dass die örtliche Polizei in unzulässiger Weise Straftaten dramatisiert, um einen kleinen Ausnahmezustand durchzudrücken. Auch das Problem, dass lokale Medien wenig Interesse an realitätsnaher Berichterstattung zu haben scheinen und es zu Lasten der Demonstranten erst mal nicht so genau nehmen, wer wann zugeschlagen hat, meinen wir nicht.

Uns soll es um das gehen, was in diesem Trubel ganz klar untergeht: den politischen Gehalt des Ereignisses. Denn ebenfalls berechtigt sind Zweifel, ob jemand, der für emanzipatorische Standards eintritt und radikale Kritik an den bürgerlichen Verhältnissen übt, sich begeistert in den Protest für die Rote Flora einreihen kann.
Denn die Begeisterung, mit der sich Leute für dieses heruntergekommene Gebäude einsetzten, stinkt nach platter Identität,ja grenzt an Fanatismus, der endlich das heilige unantastbare Gute gefunden hat, für das es sich einzusetzen lohnt.

Wahrlich schaurig wird es, wenn man den politischen Inhalt und den Konsens der Protestler betrachtet. Israelsolidarische Antifas stehen in Ketten mit den Antiimperialisten von der RSH und das Magdeburger ZK leistet Bauchgefühl-Anarchisten Schützenhilfe im Kampf gegen die Manifestationen des Bösen wie der Polizei, teuren Hotels und der Hamburger Sparkasse. Das Bündnis „Recht auf Stadt“ preist zeitgleich die einsturzgefährdeten Esso-Häuser an, als müssten sie sie verkaufen.

Von radikaler Kritik keine Spur. Alles geht unter im Sachzwang des Aktionismus und seinen breiten Bündnissen. Das diese inhaltsleere Szenepolitik  dringend aufgearbeitet werden muss, wird  nach den aktuellen Protesten erneut mehr als deutlich.

Es stellt sich die Frage, ob und in wie weit es überhaupt sinnvoll ist, den Protest für die Flora zu unterstützen, beziehungsweise unter welchen Umständen Solidarität sinnvoll wäre. Uns scheint es da Nachholbedarf in der Diskussion zu geben, daher wollen wir verschiedene Positionen zu Sinn und Inhalt der Demo, aber auch dem Häuserkampf im 21. Jahrhundert allgemein diskutieren lassen, um auszuloten, was von den Ereignissen und überhaupt einer solchen Politik zu halten ist.

Es diskutieren: Der Club Communism, der LAK Emanzipatorische Kritik der linksjugend[solid] sowie Gunter Heiß.

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